PRÄSENTATION (Ausgabe 2007)

   

Das diesjährige Internationale Mozart-Festival in Rovereto dreht sich um die Oper "Don Giovanni" und mit diesen zusammenhängenden Themen, auf die alle Veranstaltungen Bezug nehmen.

Ein Highlight des Programmteils Theater wird die originelle Interpretation der von da Ponte vertexteten Oper durch das Nationale Prager Marionettentheater sein, der die Inszenierung des "Don Giovanni al bivio" folgt, die aus der Hand von Danilo Faravelli frei nach den Werken Carlo Goldonis stammt. Zwischen diesen beiden Veranstaltungen ist der Monolog "La Conversazione" zu sehen, der sich an die Person W.A. Mozart anlehnt und nach einem Text und der Musik von Fabrizio Festa von Ivana Monti gesprochen wird.

Der Programmbereich Musik wartet mit zwei bedeutenden Symphoniekonzerten, fünf Kammerkonzerten und einem Recital auf: in Rovereto spielt die Prager Philharmonie unter der Leitung von Kaspar Zehnder mit der Geigensolistin Isabelle van Keulen ; in Trento ist das Orchester der Stiftung "Arturo Toscanini" unter der Leitung von Massimo Mazza in einer Aufführung zu sehen, mit der die Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Kompositionswettbewerb "2 Agosto" aus Bologna und dem Festival in Rovereto besiegelt wird.

Das Streicherquartett des Instituts für Musikwissenschaften aus Pavia, das Trio für Streicher und Klavier der Escala Superior de Musica aus Lissabon mit Irene Lima am Cello, das argentinische Duo Hector Moreno und Norberto Capelli und die österreichische Pianistin Sigrid Trummer beleben hingegen mit ihrer Musik die eleganten Säle und Palazzi des Vallagarina. Die Veranstaltungen bieten auch Gelegenheit, neben dem klassischen Repertoire neue Kompositionen zu hören, die sich an Mozart anlehnen und vom Festival an lebende Komponisten in Auftrag gegeben wurden, um so den Faden zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu spinnen.

Im Bereich Kino mit kommentierten Programmteilen über Filme, die sich an Mozart anlehnen, wird der Film "Don Giovanni" von Regisseur Peter Sellars gezeigt.

Abgerundet wird das Programm schließlich durch eine Tagung über die Figur des Don Giovanni – unter den Vortragenden ist auch Quirino Principe – wo die Bereiche Kunst, Kino und Psychoanalyse in die Untersuchungen mit einbezogen werden.

Filippo Bulfamante

Don Giovanni
Geschichtlicher Hintergrund und Handlung

Das 20. Internationale Mozartfestival in Rovereto hat in allen drei Programmbereichen (Musik, Theater, Kino) einen einzigen Leitfaden: die Figur und die Abenteuer des Don Giovanni.

Die Ursprünge vom Mythos des Don Giovanni, von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte musikalisch umgesetzt, liegen sehr viel weiter zurück als die Zeit, in der die beiden berühmten Künstler lebten. Zum ersten Mal wurde die Don-Juan-Sage bereits 1630 zu Zeiten der Gegenreform im Drama dargestellt, als der Spanier Tirso de Molina "El Burlador de Sevilla y Convidado de piedra" schrieb, ein Drama, dessen moralisches und erzieherisches Ziel es war, die erotische Zügellosigkeit des Don Juan bedingungslos zu verurteilen. Tirso de Molinas, der jung dem Orden der Mercedarier in Guadalajara beigetreten war, wollte seine Arbeit auf die unterdrückende Theologie zurückführen, wie sie das Konzil von Trient beschlossen hatte und nach der das Verhalten der Sünder, die entschlossen waren, für ihre Schuld erst im Augenblick ihres Todes Reue zu zeigen, unzulässig war. Die in der Heimat nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommene Oper wurde hingegen in Frankreich und Italien beliebt und wurde mehrmals neu bearbeitet (unter anderem 1665 von Molière und 1736 von Goldoni).

Für Lorenzo Da Ponte, einen gebildeten Schriftsteller und Hofdichter in Wien, war es nicht die erste Zusammenarbeit mit Mozart. Mit diesem hatte er bereits 1786 das Meisterwerk Le nozze di Figaro verfasst. Für das Libretto des Don Giovanni diente ihm das Convitato di pietra von Giovanni Bertati als Vorlage; dieses war die literarische Grundlage der gleichnamigen, von Giuseppe Gazzaniga Anfang 1787 komponierten und in Venedig im Februar desselben Jahres aufgeführten komischen Oper.

Mozart schrieb die Partitur des Don Giovanni fast gänzlich in Prag, wo ihm das größte Operntheater diese Bühnenneuheit in Auftrag gegeben hatte. Es wird erzählt, dass die Ouvertüre wenige Stunden vor der Uraufführung komponiert worden sei und dass die Orchestermitglieder sie zum ersten Mal gespielt hätten. In einer anderen Version heißt es, Mozart widmete sich dem Schreiben der Ouvertüre am Abend vor der Generalprobe. Er bat seine Frau Constanze, ihm orientalische Märchen zu erzählen, um ihn wach zu halten, aber die Müdigkeit ließ ihn dennoch in einen tiefen Schlaf fallen. Von Konstanze um 5 Uhr morgens geweckt, beendete Mozart seine Arbeit um 7, als der Kopist kommen sollte, um das Manuskript abzuholen.

Abgesehen von diesen Legenden ist es allerdings eine unbestreitbare Tatsache, dass am 28. Oktober 1787 in Prag die Uraufführung des Don Giovanni stattfand und zu einem triumphalen Erfolg wurde, obwohl Sänger und Instrumentalisten sich an einer äußerst schwierigen Partitur messen mussten.

Der mit der größten Spannung erwartete Moment der Tragikomödie Don Giovanni ist sicherlich der, als Leporello die Liste der von seinem "unersättlichen” Herrn geliebten Frauen verliest. Don Giovanni verführt und verlässt Frauen aus allen sozialen Klassen und jeden Alters, um diese seiner Sammlung hinzuzufügen ("pel piacer di porle in lista").

Don Giovannis Urtrieb zum Leben und Genuss entspricht nicht dem Verhalten der sozialen Ordnung, in der er handelt. Und dennoch gefällt er: den Frauen, die unentschlossen sind, ob sie ihn verurteilen oder seinen Schmeicheleien nachgeben sollen; und den Männern, die nur ein wenig seiner Kühnheit haben möchten.
Während Don Giovanni bei Tirso de Molina eine Art Antichrist war, ist er bei Mozart ein sympathischer Lump, ein galanter Schurke ohne Skrupel und unwiderstehlich. Mit der Oper Mozarts verlässt der Mythos des "bestraften Wüstlings" die dunkle Atmosphäre der Gegenreform, die ihn zum ersten Mal zum Leben erweckt hatte und wird zum Boten einer lebendigen und respektlosen Ironie und Lebensfreude.

Handlung:
Der maskierte Don Giovanni versucht, Donna Anna in deren Haus zu verführen. Auf ihr Schreien erscheint ihr Vater, der Komtur, der ein Duell mit dem Eindringling fordert und von diesem getötet wird. Don Giovanni gelingt die Flucht und er stürzt sich in neue Abenteuer, die aber alle zu nichts führen, auch aufgrund der wiederholten Einmischung von Donna Elvira, die einst von ihm verführt und dann verlassen wurde. Er versucht, Zerlina am Tag ihrer Hochzeit mit dem Bauern Masetto zu verführen. Dann will er als sein Diener Leporello verkleidet, die Zofe von Donna Elvira verführen. Zuletzt flieht er vor dem Zorn der vielen von ihm Betrogenen auf den Friedhof und lädt dort furchtlos die Statue des toten Komturs zum Abendessen ein, der allen Naturgesetzen zum Trotz, annimmt. Die Oper geht zu Ende mit dem Abstieg des Sünders in die Hölle. Die endgültige Bestrafung («... Questo è il fin di chi fa mal! E de’ perfidi la morte alla vita è sempre ugual» ) des Sünders erfolgt entsprechend der moralischen Lockerheit des freien 18. Jahrhunderts eher der Form wegen, als dass sie einen echten Anspruch auf Verurteilung der Ausschweifung erheben würde.