20. Internationales Mozartfestival in Rovereto
HEUTE, Sonntag 7. Oktober um 11 Uhr
Das Klavierduo Hector Moreno, Norberto Capelli
ABSOLUTE URAUFFÜHRUNG der "Trasfigurazioni dal Don Giovanni di Mozart" von Maurizio Agostini

Das Musikprogramm des Mozartfestivals wird glanzvoll abgeschlossen. In der Philharmonie von Trento wird das Klavierduo Hector Moreno und Norberto Capelli heute Vormittag um 11 Uhr an den großen Amadeus angelehnte, von späteren Komponisten neu geschriebene Musik spielen.

Den Anfang macht die Ouvertüre der Zauberflöte, die in hohem Alter von Ferruccio Busoni (1866-1924) bearbeitet und 1923 veröffentlicht wurde: ein Stück, das nach Meinung des Musikwissenschaftlers Danilo Faravelli, der auch Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des Festivals ist, "nicht aus einem Samen von zwei, sondern sogar von drei Vätern entstanden ist. Die regenerative Wirkung, die der Maestro aus Empoli schon von Beginn der Symphonie des letzten Opernmeisterwerks Mozarts erzeugt, könnte in der Tat mehr als von Mozart selbst auf musikalischen Ideen von Muzio Clementi (1752-1832) beruhen". So gibt es auch Anekdoten, die erzählen, dass Mozart das Schlüsselthema der Ouvertüre von einer Sonate Clementis "gestohlen" hätte. "Wenn es stimmt, wie schon mehrmals erzählt wurde", fährt Faravelli fort, "dass am Abend des 24. Dezember 1781 anlässlich des musikalischen Wettstreits, der auf Wunsch Kaiser Josephs II. in der Hofburg stattfand und bei dem unter anderem die Sonate in B-Dur des römischen Konkurrenten vorgetragen wurde, wundert es nicht, dass Mozart letztendlich den einschneidendsten Teil eines der Stücke seines Konkurrenten zu seinem eigenen machte". Das Ergebnis ist in der Bearbeitung Busconis „eine regenerative Arbeit, die von Gefühlen der Verehrung für die großen Künstler der Vergangenheit geprägt ist".
Anders verhält es sich mit der Sonate in C-Dur KV 545 und der Phantasie in C-Moll KV 475, die von dem Norweger Edvard Grieg (1843-1907) bearbeitet wurden, vor allem weil diese nur selten gespielt werden. „Es gibt Aufnahmen", sagt der Pianist Hector Moreno, „aber es sind Partituren, die nur selten gespielt werden". Die zwischen 1876 und 1879 entstandene Bearbeitung ist auch von dem zweiten Klavier geprägt, das in der ursprünglichen Version fehlt: so spielt ein Pianist das ursprüngliche Stück und der andere folgt entsprechend dem Geist der Epoche mit romantischen Einlagen".

Das Programm geht weiter mit den "Trasfigurazioni sul Don Giovanni di Mozart" des Florentiners Maurizio Agostini: ein eigens für das Mozartfestival komponiertes Stück, das wie Hector Moreno meint "die Themen nimmt und sie auf moderne Art, aber in einer gut klingenden Sprache miteinander verbindet, wobei er die Möglichkeit nutzt, zwei Pianisten und zwei Instrumente zur Verfügung zu haben". "In meiner Komposition", erklärt der Autor Maurizio Agostini, "erlebt Don Giovanni wie in einer Traumvision jeden Moment seines Lebens mit allen Leidenschaften, Intrigen und Eskapaden mit den verschiedenen Figuren der Oper Mozarts. Auf einem treuen Klangteppich, der nichts anderes ist als die unveränderte Abfolge von Mozarts Symphonie, vermischen sich die verschiedenen Themen der Oper wirbelnd zu eisernen Kontrapunkten. Jede Begebenheit und jede Figur hat so die Möglichkeit, sich dem Zuhörer und der zentralen Figur, dem Don Giovanni, erneut einzuprägen. Diesem wird es ermöglicht, wie in einer Vision Dantes den Flammen der Hölle zu entsteigen und, gedrängt von der unerbittlichen zeitlichen Skandierung (der Symphonie), seine gesamten menschlichen Begebenheiten mit all ihren thematischen Kontrapunkten zu erzählen. Bereits die schrecklichen und warnenden Anfangsakkorde bilden eine Verknüpfung mit der Kompositionsstruktur zum Thema des Schluss-Fugatos, mit dem die Oper abgeschlossen wird; die Philosophie eines Lebens, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist". Die zentralen Figuren von Mozarts Oper werden in einer zeitgenössischen Version zum Leben erweckt: "Im Anfangs-Adagio brennen die Themen der Liebesleidenschaften (Donna Anna, Donna Elvira und Zerlina). Das anschließende Allegro beginnt als Kontrapunkt zu den verschiedenen Themen Leporello, Masetto und Don Ottavio. Der Vorhang ist nun geöffnet und wie der arabische Phönix ersteht Don Giovanni auf und erlebt sein Leben unbelehrbar ein weiteres Mal, um erneut von den Flammen verschlungen zu werden wie ein unerlöster Geist seines verhängnisvollen Schicksals".

Den Abschluss bildet ein Klassiker für das Repertoire eines Klavierduos, nämlich die Réminiscences de Don Juan von Franz Liszt (1811-1886), eine Komposition aus dem Jahre 1841, die dem König von Dänemark Christian VIII. gewidmet war. "Die Schreibperspektive", erklärt Faravelli, "entspricht einer freien Neuinterpretation eines dramatischen Universums, das zu gleichen Teilen aus intensiven, ausschließlich musikalischen Eindrücken (unvergessliche Melodien und Harmonien) und inhaltlicher Dichte besteht, die über die klangliche Besonderheit des mozartschen Textes hinausgehen".

Zum Klavierduo Hector Moreno und Norberto Capelli:
Nach einer intensiven Solistentätigkeit schlossen sich Hector Moreno und Norberto Capelli 1976 zum Duo zusammen und perfektionieren ihre Kunst in London am Royal College of Music, in Paris mit Jacqueline Robin, in Florenz, wo sie auch wohnen, mit Maria Tipo und Alessandro Specchi.
Eine intensive Konzertkarriere führt sie in die größten Theater und Konzertsäle, unter anderem die Salle Cortot in Paris, die Wigmore Hall in London, die Concertgebow in Amsterdam, das Teatro Olimpico in Rom, das Teatro La Pergola in Florenz, das RTSI-Auditorium in Lugano, das Auditorium der Fundaciòn March in Madrid, den RIAS in Berlin, die Residenz München, das Auditorium der RAI in Neapel, das Teatro Bibiena in Mantua, das Teatro Politeama Rosetti in Triest, den Saal des Konservatoriums Zürich, die Aula Magna der Università La Sapienza in Rom, die Aula Magna der Università Bocconi di Milano und andere.
Das Duo hat verschiedene CDs für die Schallplattenfirmen Marco Polo, Dynamic, Rodolphe e Arts aufgenommen. Derzeit arbeiten sie eng mit der Florentiner Firma Frame zusammen, für die sie 6 CDs aufgenommen haben (Piazzolla-Ginastera; Schubert; Milhaud; Tschaikowsky-Rachmaninoff; die vier Orchester-Suiten Bachs in einer Bearbeitung für vierhändiges Klavier von Max Reger; Musica Spagnola).

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