Das Musikprogramm des Mozartfestivals wird glanzvoll abgeschlossen.
In der Philharmonie von Trento wird das Klavierduo Hector Moreno und
Norberto Capelli heute Vormittag um 11 Uhr an den großen Amadeus
angelehnte, von späteren Komponisten neu geschriebene Musik spielen.
Den Anfang macht die Ouvertüre der Zauberflöte, die in hohem
Alter von Ferruccio Busoni (1866-1924) bearbeitet und 1923 veröffentlicht
wurde: ein Stück, das nach Meinung des Musikwissenschaftlers Danilo
Faravelli, der auch Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des
Festivals ist, "nicht aus einem Samen von zwei, sondern sogar
von drei Vätern entstanden ist. Die regenerative Wirkung, die der
Maestro aus Empoli schon von Beginn der Symphonie des letzten Opernmeisterwerks
Mozarts erzeugt, könnte in der Tat mehr als von Mozart selbst auf
musikalischen Ideen von Muzio Clementi (1752-1832) beruhen". So
gibt es auch Anekdoten, die erzählen, dass Mozart das Schlüsselthema
der Ouvertüre von einer Sonate Clementis "gestohlen"
hätte. "Wenn es stimmt, wie schon mehrmals erzählt wurde",
fährt Faravelli fort, "dass am Abend des 24. Dezember 1781
anlässlich des musikalischen Wettstreits, der auf Wunsch Kaiser
Josephs II. in der Hofburg stattfand und bei dem unter anderem die Sonate
in B-Dur des römischen Konkurrenten vorgetragen wurde, wundert
es nicht, dass Mozart letztendlich den einschneidendsten Teil eines
der Stücke seines Konkurrenten zu seinem eigenen machte".
Das Ergebnis ist in der Bearbeitung Busconis „eine regenerative
Arbeit, die von Gefühlen der Verehrung für die großen
Künstler der Vergangenheit geprägt ist".
Anders verhält es sich mit der Sonate in C-Dur KV 545 und der Phantasie
in C-Moll KV 475, die von dem Norweger Edvard Grieg (1843-1907) bearbeitet
wurden, vor allem weil diese nur selten gespielt werden. „Es gibt
Aufnahmen", sagt der Pianist Hector Moreno, „aber es sind
Partituren, die nur selten gespielt werden". Die zwischen 1876
und 1879 entstandene Bearbeitung ist auch von dem zweiten Klavier geprägt,
das in der ursprünglichen Version fehlt: so spielt ein Pianist
das ursprüngliche Stück und der andere folgt entsprechend
dem Geist der Epoche mit romantischen Einlagen".
Das Programm geht weiter mit den "Trasfigurazioni sul Don Giovanni
di Mozart" des Florentiners Maurizio Agostini: ein eigens für
das Mozartfestival komponiertes Stück, das wie Hector Moreno meint
"die Themen nimmt und sie auf moderne Art, aber in einer gut klingenden
Sprache miteinander verbindet, wobei er die Möglichkeit nutzt,
zwei Pianisten und zwei Instrumente zur Verfügung zu haben".
"In meiner Komposition", erklärt der Autor Maurizio
Agostini, "erlebt Don Giovanni wie in einer Traumvision jeden
Moment seines Lebens mit allen Leidenschaften, Intrigen und Eskapaden
mit den verschiedenen Figuren der Oper Mozarts. Auf einem treuen Klangteppich,
der nichts anderes ist als die unveränderte Abfolge von Mozarts
Symphonie, vermischen sich die verschiedenen Themen der Oper wirbelnd
zu eisernen Kontrapunkten. Jede Begebenheit und jede Figur hat so die
Möglichkeit, sich dem Zuhörer und der zentralen Figur, dem
Don Giovanni, erneut einzuprägen. Diesem wird es ermöglicht,
wie in einer Vision Dantes den Flammen der Hölle zu entsteigen
und, gedrängt von der unerbittlichen zeitlichen Skandierung (der
Symphonie), seine gesamten menschlichen Begebenheiten mit all ihren
thematischen Kontrapunkten zu erzählen. Bereits die schrecklichen
und warnenden Anfangsakkorde bilden eine Verknüpfung mit der Kompositionsstruktur
zum Thema des Schluss-Fugatos, mit dem die Oper abgeschlossen wird;
die Philosophie eines Lebens, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt
ist". Die zentralen Figuren von Mozarts Oper werden in einer zeitgenössischen
Version zum Leben erweckt: "Im Anfangs-Adagio brennen die Themen
der Liebesleidenschaften (Donna Anna, Donna Elvira und Zerlina). Das
anschließende Allegro beginnt als Kontrapunkt zu den verschiedenen
Themen Leporello, Masetto und Don Ottavio. Der Vorhang ist nun geöffnet
und wie der arabische Phönix ersteht Don Giovanni auf und erlebt
sein Leben unbelehrbar ein weiteres Mal, um erneut von den Flammen verschlungen
zu werden wie ein unerlöster Geist seines verhängnisvollen
Schicksals".
Den Abschluss bildet ein Klassiker für das Repertoire eines Klavierduos,
nämlich die Réminiscences de Don Juan von Franz Liszt (1811-1886),
eine Komposition aus dem Jahre 1841, die dem König von Dänemark
Christian VIII. gewidmet war. "Die Schreibperspektive",
erklärt Faravelli, "entspricht einer freien Neuinterpretation
eines dramatischen Universums, das zu gleichen Teilen aus intensiven,
ausschließlich musikalischen Eindrücken (unvergessliche Melodien
und Harmonien) und inhaltlicher Dichte besteht, die über die klangliche
Besonderheit des mozartschen Textes hinausgehen".
Zum Klavierduo Hector Moreno und Norberto Capelli:
Nach einer intensiven Solistentätigkeit schlossen sich Hector Moreno
und Norberto Capelli 1976 zum Duo zusammen und perfektionieren ihre
Kunst in London am Royal College of Music, in Paris mit Jacqueline Robin,
in Florenz, wo sie auch wohnen, mit Maria Tipo und Alessandro Specchi.
Eine intensive Konzertkarriere führt sie in die größten
Theater und Konzertsäle, unter anderem die Salle Cortot in Paris,
die Wigmore Hall in London, die Concertgebow in Amsterdam, das Teatro
Olimpico in Rom, das Teatro La Pergola in Florenz, das RTSI-Auditorium
in Lugano, das Auditorium der Fundaciòn March in Madrid, den
RIAS in Berlin, die Residenz München, das Auditorium der RAI in
Neapel, das Teatro Bibiena in Mantua, das Teatro Politeama Rosetti in
Triest, den Saal des Konservatoriums Zürich, die Aula Magna der
Università La Sapienza in Rom, die Aula Magna der Università
Bocconi di Milano und andere.
Das Duo hat verschiedene CDs für die Schallplattenfirmen Marco
Polo, Dynamic, Rodolphe e Arts aufgenommen. Derzeit arbeiten sie eng
mit der Florentiner Firma Frame zusammen, für die sie 6 CDs aufgenommen
haben (Piazzolla-Ginastera; Schubert; Milhaud; Tschaikowsky-Rachmaninoff;
die vier Orchester-Suiten Bachs in einer Bearbeitung für vierhändiges
Klavier von Max Reger; Musica Spagnola).